Deutschland armes Sozialmarketingland?
Zum sechsten Mal wird in diesem Jahr am 12. Dezember der BruttoSozialPreis (BSP) vergeben. Der Preis gibt Studenten aus verschiedenen sozialen und marketinglastigen Studienrichtungen die Chance, sich außerhalb des verschulten Studienalltags in einer realtitätsnahen Art und Weise mit der Kreation eines Kommunikationskonzeptes oder einer Kampagnenplanung für eine Non Profit Organisation (NPO) zu engagieren.
Klug wird auf der Webpräsenz des BSP gezeigt, wie modernes Sozialmarketing funktionieren kann. In den studentischen Teams wird unter Hochdruck in nahe professioneller Manier der Marketing-Ernstfall geprobt. Das tut auch not, man schaue sich nur einmal die Webauftritte verschiedener, teils auch größerer, NPOs an. Hier ist noch ein immenses Betätigungsfeld zu erschließen, an das sich die klassischen Werbeagenturen bisher nicht so recht heran wagen.
Ganz so drastisch, wie es BSP Schirmherr Thilo Bode in einem Interview auf den BSP-Seiten ausdrückt, sehe ich das allerdings nicht. Zitat Frage und Antwort:
“Was ist der Unterschied zwischen klassischem Marketing und Sozialmarketing?
Wenn eine Organisation mit einer klassischen Werbeagentur zusammenarbeitet, kommt nichts dabei raus, denn die macht klassisches Marketing, führt Umfragen durch und bringt dann ihr Produkt auf den Markt. Beim Sozialmarketing muss man ein Feingefühl dafür entwickeln, was die Menschen bewegt. Und das ist etwas anderes, als die Entscheidung zu beeinflussen: „Soll ich mir lieber einen Polo kaufen oder einen Smart.“ Der Unterschied ist die Glaubwürdigkeit. Jeder Bürger weiß heute, dass er der Werbung nicht hundertprozentig vertrauen kann, deshalb würde er industrielles Marketing für Ziele des Allgemeinwohls nicht akzeptieren.”
Ganz so traurig sehe ich die Werberlandschaft nicht, auch wenn viele alteingesessene Agenturen die Klaviatur der neuen Medien nicht annähernd beherrschen. Geade bei jungen Agenturen sehe ich viel Potential - vielleicht sollten zukünftig auch Agenturen an der Ausgestaltung des BSP beteiligt werden, dann könnten auch sie sich das Spezialwissen für das Sozialmarketing aneignen und mit ihren ureigenen kreativen Kräften verbinden.
Noch eine Bemerkung zur Aussage von Herrn Bode sei mir erlaubt - wenn eine Agentur heute noch nach der Maxime handelt, die Kaufentscheidung des Konsumenten lediglich zu beinflussen, dann geht sie auf dem Holzweg der Gestrigen. Dialog und vor allem auch das Zuhören sind zu entscheidenden Qualitätsfaktoren für Agenturen gereift. Und da beginnt die Verschmelzung von klassischem Marketing und Sozialmarketing.
Heute vielleicht noch eine kühne Vision, sehe ich hier eine starke Entwicklungstendenz in genau diese Richtung.
