Archiv für Mai, 2010

gHOCH24 Blog Was verstehen Sie unter dem Begriff „Social Media“ ?

Focke Deparade Social Media ist zunächst einmal ein momentan sehr gehypter Begriff, der für die Summe der Aktivitäten von Menschen in den Austauschplattformen des Internets steht. Vor Social Media sprach man eher vom Web 2.0, was eine ganz deutliche Entwicklung anzeigt. War das Netz in seinen Anfängen noch eine technische Plattform, die dem Benutzer oder User vorgab, welche Information und welchen Nutzen er daraus zieht, ist das Internet von heute „erwachsen“ geworden. Software wie Wordpress für Blogs, Twitter, Facebook usw. ermöglichen dem User auf einfache Weise eigene Inhalte zu generieren und damit das Gesicht und die Relevanz des Netzes zu beeinflussen. Social Media beschreibt also das Internet als Usernet mit unendlich vielen Austauschmöglichkeiten, ganz unabhängig von deren technischer Basis.

gHOCH24 Blog Wie lässt sich das ganz konkret in die Unternehmenskommunikation integrieren?

FD Zunächst einmal sehe ich im Einsatz von Social Media die Chance, eine weiteres Instrument aus dem „Orchester“ der Unternehmenskommunikation zum Klingen zu bringen. Wichtig ist hierbei jedoch, die Spielregeln der sozialen Netzwerke zu kennen. Wer seine Facebook Seite, seinen Twitter Kanal oder seinen Firmen Blog nur als neuen Kanal zum Absetzen laufender Werbebotschaften nutzt, wird nicht nur wenig Fans finden, er läuft auch Gefahr, realen Schaden zu nehmen, wenn die Netzgemeinde nicht authentisches Verhalten oder gar unethische oder unmoralische Prozesse aufdeckt. Letztes sehr prominentes Beispiel ist hier die Nestlé - KitKat Geschichte, die Greenpeace initiiert hat. Authentizität und Ehrlichkeit sind hier das höchste Gebot. In den sozialen Netzwerken funktioniert Kommunikation nur auf Augenhöhe. Das ist oft das größte Problem für Unternehmer und Marketer mit klassischem Background. Entscheidend ist es, Themen und Botschaften zu finden, die die Marke oder das Unternehmen erlebbar machen, das Besondere herausstellen, Geschichten erzählen oder Humor zeigen und das möglichst einzigartig und spektakulär. Nicht verkaufen wollen - sondern den Käufer bzw. Nutzer meines Unternehmens oder Produktes zu einem Fan machen, der meine Einstellungen und Werte teilt und dies dann auch wieder seiner Umwelt mitteilt.

gHOCH24 Blog In einem Beitrag im Werbeblogger wird die Behauptung aufgestellt, Social Media sei tot. Was halten Sie davon?

FD Ich habe diesen Beitrag auch gelesen, die wortgewandten Spiele lassen mich aber eher kalt. Klar hat der Begriff Social Media inzwischen für alle, die sich intensiv mit dem Internet, mit Werbung oder Marketing befassen eine gewisse Belästigungsgrenze erreicht. Die ersten Fachbücher zur Thematik sind erschienen und die Kommunikationswissenschaftler werden die Erscheinung wieder systematisieren und bald werden in den Unis Klausuren zu Social Media geschrieben. Doch ganz egal, ob der Begriff in einigen Jahren noch gebräuchlich ist oder nicht, die Kraft der medialen Veränderungen der Gegenwart ist unaufhaltsam. Ob Aktivitäten im Social Web für Werbung und Unternehmen langfristig gut sind wird sich erst erweisen müssen. Fest steht, nicht zu jedem passt der Sprung ins Netzwerk. Von den vielen „Beratern“ mit zweifelhaftem Expertenwissen möchte ich gar nicht sprechen, aber die sind eine Ursache für den inflationsartigen Anstieg der Begriffssättigung.

gHOCH24 Blog Welche Empfehlung geben Sie Unternehmern oder Marketingentscheidern die die bisher noch keine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken unternommen haben?

FD Haben Sie Mut und seien Sie aufgeschlossen, aber prüfen Sie gut, ob Sie, Ihr Produkt oder Ihr Unternehmen die Regeln des Social Web beherrschen wollen. Holen Sie sich Rat von Außen, das ermöglicht einen Blick über den eigenen Tellerrand. Seien Sie kreativ und lassen Sie sich nicht durch die riesige Anzahl der Möglichkeiten blenden und konzentrieren Sie sich auf die für Sie relevanten Kanäle. Stellen Sie Regeln für den Umgang mit Social Media in Ihrem Unternehmen auf, so lässt sich das Potential Ihrer Mitarbeiter einbinden ohne dass es zu Produktivitätsausfällen kommt.

gHOCH24 Blog Zuletzt eine Frage, die gerade in Zeiten knapper Kassen sehr brisant erscheint: Mit welchen Kosten muss ich rechnen und wie lässt sich der Erfolg meiner Aktivitäten messen?

Zunächst verstehen viele Unternehmen Social Media ja als eine kostenlose Ergänzung Ihrer Werbekanäle. FD Das ist allerdings grundlegend falsch. Wie bereits gesagt, Aktivitäten im Social Web müssen ganz speziell organisiert werden. Ich muss klare Ziele definieren, Zielgruppen bestimmen, Botschaften und Themen finden und letztlich eine überprüfbare und zugleich packende Geschichte erzählen. Das kostet Zeit, verlangt geradezu nach Kreativberatung durch eine Agentur und Sie dürfen den Pflegeaufwand der Auftritte in den Netzwerken nicht unterschätzen. Somit eine eher offene Antwort zu den Kosten.
Auch die Sache mit der Erfolgsmessung muss ich differenziert beantworten, da sich die Erfolgseinstellung ja an den formulierten Zielen misst. Ein Gradmesser sind neben den reinen Nutzerzahlen oder Klickraten die entstandenen Interaktionen, seien es Kommentare, Unterhaltungen oder die Weiterverbreitung von Inhalten. Hier bedarf es einer intensiven Auswertung. Tools für ein entsprechendes Monitoring sind oft frei im Netz verfügbar.

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Was soll uns das sagen?

Was soll uns das sagen?

Irgendwo hinter den Teletappibergen, liegt eine alte alte graue Burg, die Brandenburg. Die Menschen, die dort leben sind mit unter etwas eigen und pflegen einen sehr speziellen Humor, was durchaus verständlich ist, wenn sich den Bewohnern stets nur die Rücklichter der vorbeiziehenden Entwicklung erkenntlich zeigen.

Das ist auch der Grund, warum die Stadt nun schon seit fast eintausend Jahren gegenüber jedem interessierten Gast gebetsmühlenartig anmerkt, dass es doch Brandenburg war, welches Berlin und Potsdam aus ihren bedeutungslosen Zuständen befreite. Jedem Besucher einer Führung im Dom zu Brandenburg wird mit nicht zu übersehendem Stolz die Urkunde der Verleihung des Stadtrechts an Berlin präsentiert. Doch irgendwas ging schief, vor langer langer Zeit. Das einst mächtige Brandenburg versank in der realen Bedeutungslosigkeit. Völlig belanglose Könige, Kaiser, Adelige, Handwerker, Wissenschaftler, Bürger und politische Herrscher schufen aus Fischerdörfern und Bauernsammelplätzen die mächtigen Städte Berlin und Potsdam. Eine Wunde, die dem Ur-Brandenburger (Ur-Brandenburger = in der Stadt Brandenburg/Havel geborener Bürger) noch heute Schmerzen zufügt, denn auch die jüngere Geschichte hat gezeigt, die Stadt bleibt eher bedeutungslos.

Unter diesem Hintergrund lässt sich erahnen, welch Geistes Kind die Kampagne “Potsdams großer Bruder” schuf. Schreck und Scham überfielen mich bei der unvorbereiteten Gegenüberstellung mit dem Motiv (siehe oben) auf einer Potsdamer Großplakatwand. “Jetzt bloß niemandem verraten, dass ich aus Brandenburg stamme” dachte ich reflexartig und hoffte, niemand würde mir das ansehen. Ein verkniffen-freundliches Mädchen lugt zwischen schiefen Türmen und Kirchen hinter zwei Hügeln hervor, als würde Sie froh sein, die von einem Erdbeben heimgesuchte Stadt im Hintergrund lebendig verlassen zu haben und nun in Potsdam ein Obdach sucht. Gerne und herzlich willkommen - wir bauen dir, kleines Mädchen, sogar ein Schloss in unsere Mitte.
Kurzum, die Stadt Brandenburg hat mit dieser Kampagne (Link) die Chance vertan, sich auf eine große Geschichte verweisend, als offene, zukunftsgerichtete Stadt ohne Ressentiments zu positionieren. Statt dessen werden werden ulkige Klischees bedient und Brandenburg erscheint infantil, nachtragend und absolut unreif. Wo sind die Botschaften, die einen Potsdamer an einen “großen Bruder” glauben lassen sollen? Welche Vorbildrolle, die große Brüder nun einmal inne haben, nimmt die Stadt Brandenburg denn ein? Nichts, keine Aussage dazu, nur ein buntes und fragwürdiges Spiel und ein paar weniger Euros im Marketingspartopf. Einzig schön, dass die Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft Brandenburg hier einmal nahe daran war, sich an Social Media Elementen zu versuchen. Doch auch hier sehe ich eher halbes Handwerk. Warum ist heute, mitten im kalten Mai, das Blog nicht aktuell? Warum sind zu den Beiträgen keine Kommentare zugelassen? Fürchtet man da Reaktionen wie diese? Warum verweist die Seite auf Einträge in Facebook, StudiVZ usw. und dann ist das doch nur heiße Luft?
Ich finde es traurig und schade, ein solches Wiedertreffen mit meiner Geburtsstadt erlebt zu haben. Es ist schade für die vielen Brandenburger, die weit fortschrittlicher Denken und Handeln, als es ihnen diese Kampagne auf die Stirn schreibt.

Mein Verhältnis zu Brandenburg: Ich bin gebürtiger Brandenburger und habe bis ins Jahr 2000 für 28 Jahre in der Stadt gelebt. Vier Jahre war ich für die damalige Bürgerliste gewählter Abgeordneter im Stadtparlament.


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